Vorabfinanzierung von Open Access E-Books über eine Subskriptionsgemeinschaft von Bibliotheken   

 

 

   Dr. Christoph Schindler
   Leitung Literaturinfomationssyteme DIPF


 

Sie haben mit dem Fachinformationsdienst Erziehungswissenschaften und Bildungsforschung (FID) ein neues Finanzierungsmodell von E-Books im Open Access aus der und für die Erziehungswissenschaft entwickelt.
Was steht im Kern des Modells?

Im Kern steht die recht einfache Idee, die Vorabfinanzierung von Open Access E-Books über eine flexible Subskriptionsgemeinschaft von Bibliotheken auf mehreren Schultern zu verteilen, was auch als Crowdfunding bezeichnet wird.

Dadurch, dass das wesentliche Merkmal von OA-Publikationen deren freie Nutzung ist, kann die Finanzierung nicht mehr über die Rezipient*innen und ihre Einrichtungen geschehen, sondern muss meist vorab als Publikationsgebühr durch Autor*innen selbst geleistet werden. Dadurch reguliert die Bezahlschranke nicht mehr die Lesenden in der Rezeption von Wissen, sondern beschränkt die Schreibenden in ihrer Möglichkeit, über Verlage zu veröffentlichen.

Hier setzt nun die Subskriptionsgemeinschaft an, da diese wissenschaftliche Bibliotheken mit ihren Fachreferent*innen wieder in die Finanzierung der Publikationen miteinbezieht. In den kommenden zwei Jahren schnüren wir nun zwei Pakete mit jeweils 20 Open Access E-Books und unterstützen die Veröffentlichung mit Mitteln aus dem DFG-geförderten Fachinformationsdienst. In der ersten Runde werden dabei 50% der Gesamtsumme durch den FID eingebracht und in der zweiten Runde 25%. Mit je 5.000,- Euro brutto wird so die Transformation von Open Access E-Books finanziert. Damit werden nicht sämtliche Bücher kostendeckend finanziert werden können, aber vielleicht eine Auswahl.

Für die erste Runde ist das Verfahren gestartet und noch bis zum 15. Februar 2022 können Verlage Buchprojekte einreichen. Gerne können auch Autor*innen Verlage auf diese OA-Finanzierung für ihre Publikationen hinweisen. Nähere Informationen finden sie auf unserer Webseite unter: https://www.fachportal-paedagogik.de/literatur/produkte/fachinformationsdienst/fachinformationsdienst.html

Nach Ablauf der Einreichungsfrist wählt eine Fachjury 20 Titel aus. Für den Sommer 2022 ist dann das Verfahren zur Zusicherung der Finanzierung durch die Bibliotheken, das sogenannte Pledging, vorgesehen. Wenn dabei eine Mindestanzahl von teilnehmenden Bibliotheken erreicht wird, wird das Budget an die Verlage ausgeschüttet.

Von unserem FID-Verbund sind neben dem Informationszentrum Bildung des DIPF  die Universitätsbibliotheken der FAU Erlangen-Nürnberg und der Humboldt-Universität zentral an der Entwicklung des Verfahrens beteiligt. Darüber hinaus kooperieren wir eng mit dem Kompetenzzentrum für Lizenzierung (KfL) und dem Fachrepositorium peDOCS, in dem die ausgewählten Publikationen auch veröffentlicht und langzeitarchiviert werden.


Wo sehen Sie den Vorteil gegenüber anderen etablierten Modellen?

An sich sind Subskriptionsverfahren nichts Neues. Vorreiterprojekte im Bereich Open Access Crowdfunding haben sehr gute Grundlagen geschaffen und auch Dienstleistungsfirmen bieten ausgereifte Services an. Was wir hier erstmalig versuchen, ist, die Interessenslagen im Publikationsgefüge weitaus stärker miteinzubeziehen und fachlich miteinander abzustimmen. So treten wir an die Bibliotheken mit E-Book-Paketen heran, die verlagsübergreifend, titeltransparent und fachlich fundiert sind.

Da wir am IZB seit 2008 peDOCS betreiben, war uns von Anfang an klar, dass wir nicht mit einem einzigen Verlag allein ein Crowdfunding-Projekt durchführen können. Von Beginn an pflegt peDOCS ein kooperatives Verhältnis zu aktuell rund 45 Verlagspartnern, um gemeinsam Open Access in der Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung zu realisieren. Dementsprechend ist das Subskriptionsverfahren unseres FIDs nicht auf einen Verlag beschränkt, sondern für sämtliche Verlage offen, die gemeinsam mit uns fachlich relevante E-Books im Open Access publizieren möchten.

Um den Fachreferent*innen wie bisher im Bibliotheksalltag üblich auch im neuartigen Subskriptionsverfahren eine Relevanzeinschätzung zu ermöglichen, werden die Titel des Pakets explizit benannt. Damit beabsichtigen wir jenseits des Engagements für OA sämtliche Fachreferent*innen anzusprechen, die für die Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung zuständig sind und sie in die Lage zu versetzen, aus inhaltlichen Gründen bei der Finanzierung der E-Book-Pakete mitzuwirken.

Tatsächlich erwarten wir einen Maximalpreis von 100,- Euro pro Buch, was meist preislich nicht weit von Campus-Lizenzen entfernt liegt und die Entscheidung erleichtert. Voraussetzung dafür ist, dass sich eine entsprechende Anzahl an Bibliotheken an diesem flexiblen Gemeinschaftsverfahren beteiligt. Zu erwähnen ist dabei, dass mit diesem Verfahren auch neue Herausforderungen bei der Abstimmung zwischen Verlagen und Autor*innen entstehen. Dennoch sind wir zuversichtlich, dass eine Win-Win-Situation für sämtliche Beteiligte entstehen wird.

Aus fachlicher Sicht ist bei der Zusammenstellung der Pakete die Einbindung der Fachgemeinschaften entscheidend. Daher wird eine Fachjury eingesetzt, die eine fundierte Auswahl aus den Einreichungen treffen wird. 20 Titel werden kriterienbasiert ausgewählt. Wir sind unserem FID-Beirat für seine fachkundige Auswahl der Fachjurymitglieder dankbar, der aus Vertreter*innen der zentralen Fachgesellschaften DGfE, GEBF, GFD und GfHf besteht.


Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Projekt?

Das zentrale Ziel ist, die OA-Transformation für die Erziehungswissenschaft in ihrem spezifischen Publikationsgefüge engagiert-kritisch mitzugestalten. In diesem Teilprojekt des FID möchten wir die gerade wohl größte Herausforderung von Open Access, die Finanzierungslücke, angehen und ausloten, was sich als tragfähiges Finanzierungsmodell für die Zukunft erweisen könnte.

Die Vorabfinanzierung von Open Access E-Books über eine flexible Subskriptionsgemeinschaft von Bibliotheken sehen wir als eine zukunftsträchtige Lösung zur Finanzierungsproblematik, die zudem fachlich ausgerichtet und für weitere Publikationsformen angewendet werden kann.

Dreh- und Angelpunkt dabei ist die Subskriptionsgemeinschaft zur Finanzierung von Open Access Publikationen und wie diese auch strukturell adhoc gebildet werden kann. Wir sind gespannt, wie dies bei uns fruchten wird und hoffen auf rege Beteiligung der unterschiedlichen Akteur*innen.

Wo würden Sie Ihr Projekt in fünf Jahren gerne sehen?

Es wäre ein toller Erfolg, wenn sich bis in fünf Jahren die Vorabfinanzierung von Open Access E-Books über eine Subskriptionsgemeinschaft von Bibliotheken etabliert hätte und sich die Prozesse anschließend vereinfachen und stabilisieren würden.

So wäre es zum Beispiel schön, wenn Verlage zu regelmäßigen Zeitpunkten eines Jahres Publikationen einreichen, Fachjuror*innen diese prüfen und auswählen und auch die Autor*innen durch diese Form an fachlicher „Shortlist“ sichtbarer in ihren Fachgemeinschaften werden und Reputation erfahren würden.

Für Hochschulbibliotheken ist es bis dahin vielleicht alltäglich geworden, dass Fachreferent*innen nicht mehr beschränkte Campus-Lizenzen teuer bezahlen, sondern stattdessen direkt die OA-Publikation auf ähnlichem Preisniveau gemeinschaftlich teilfinanzieren. Und vielleicht wäre es bis dahin auch möglich, den Prozess zu flexibilisieren und exemplarisch auf Zeitschriften zu übertragen.


Was sind aus Ihrer Sicht die größten Hemmnisse für die Open-Access-Transformation in der Erziehungswissenschaft und wie können sie überwunden werden?

Ich habe schon den Eindruck, dass die ungelöste Frage der langfristigen OA-Finanzierung das größte Hindernis darstellt. Vielleicht ist es auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften nochmal ein wenig gravierender, da Publikationsgebühren nicht so verbreitet und in dieser Größenordnung neu sind.

So hat dies auch ein nationaler Repräsentant einer erziehungswissenschaftlichen Fachgesellschaft bei einem World Café im Rahmen der europäischen EERA dargestellt: Bis vor kurzem hatte er für einige Publikationen Geld bekommen und konnte so seine Mitarbeiter*innen zum Essen einladen. Jetzt muss er für die Publikation viel Geld bezahlen. Schwerwiegender ist dies sogar noch für neue Wissenschaftler*innen, weshalb sie auch besonders über unsere Finanzierungsform angesprochen werden sollen.

Insgesamt ist zudem noch nicht abschließend geklärt, wie die Qualität und nicht das Geld über die Publikation entscheiden kann. Unserer Ansicht nach kann dies nur unter Einbezug der Fachgemeinschaften geschehen, wozu wir mit diesem Ansatz beitragen wollen.


Weitere Informationen:

Dr. Christoph Schindler
Leitung Literaturinformationssysteme
DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation
eMail: 
schindler@dipf.de

 

OA library MeWI


Nach dem erfolgreichen Abschluss der Finanzierungsphase zur Gründung eines Förderkonsortiums legt der Bielefelder transcript Verlag den Grundstein für den Fortbestand seiner »Open Library Medienwissenschaft«.

Bereits im ersten Anlauf konnte der Bielefelder transcript Verlag unter Mitwirkung der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB Göttingen) sowie des Fachinformationsdiensts (FID) für Kommunikations-, Medien- und Filmwissenschaft Leipzig »adlr.link« die nötige Zahl an medienwissenschaftlichen Bibliotheken für ein neues Open-Access-Konsortium gewinnen.

Mit dessen Gründung ist ein wichtiger Schritt getan, um den Fortbestand der »Open Library Medienwissenschaft« des Verlags auch über die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierte Anschubphase hinaus zu sichern. Mithilfe jährlicher Crowdfundings sollen in diesem Rahmen nun mindestens bis zum Jahr 2024 neue Titel in die Open Library aufgenommen werden.

Zum Ablauf der Finanzierungsphase im November konnte das nötige Mindestquorum mit 32 Vollsponsorings, 11 Sponsorings Light sowie weiteren 9 Mikrosponsorings sogar überschritten werden – für alle Beteiligten ein Grund zur Freude: »Die Medienwissenschaft ist als Disziplin ausgesprochen Open-Access-affin, allerdings handelt es sich um ein vergleichsweise kleines Fach mit einer überschaubaren Zahl an Hochschulstandorten«, so Dr. Karin Werner, Verlegerin und Programmleiterin von transcript. »Umso mehr freut es uns nun, dass sich unsere Bemühungen auf Anhieb ausgezahlt haben und dass unser Projekt so viel Rückenwind von einem breiten Spektrum an Universitäten, Fachhochschulen und weiteren Einrichtungen bekommen hat!«

Im Rahmen der Open Library Medienwissenschaft wird eine wachsende Kollektion qualitätsgeprüfter, medienwissenschaftlicher Inhalte des transcript-Programms für die gesamte Wissenschaftscommunity im Open Access zugänglich gemacht. Nach der Gründung des Konsortiums arbeitet der Verlag nun am Aufbau eines Editorial Boards, welches künftig die Qualitätskontrolle und Titelauswahl für die Open Library  Medienwissenschaft übernehmen soll.

Zum Hintergrund
Der Aufbau der »Open Library Medienwissenschaft« ist Teil des mehrgliedrigen Projekts »TOAA« des transcript Verlags zur Beschleunigung der Open-Access-Transformation in den Sozial- und Geisteswissenschaften. TOAA ist gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen seiner Digitalstrategie (Fördervorhaben 16TOA002).

transcript ist einer der führenden wissenschaftlichen Fachverlage im deutschsprachigen Raum mit Schwerpunkten in den Sozial-, Kultur- und Medienwissenschaften. Der Verlag sitzt in Bielefeld und pflegt über 180 Editionen mit jährlich ca. 450 Nova in deutscher und englischer Sprache sowie eine Backlist von über 5200 Titeln – in print und digital. Die stetig wachsende Open-Access-Kollektion des Hauses umfasst derzeit mehr als 1000 Titel.

Weiterführende Links
●   Open Library Medienwissenschaft, Konsortialangebot und teilnehmende Bibliotheken:
     www.transcript-verlag.de/open-library-medienwissenschaft
●   Logo der Open Library Medienwissenschaft:
     https://www.transcript-verlag.de/ablage/presse/Logo_OpenLibrary_Medienwissenschaft.zip
●   »TOAA« im Überblick: www.transcript-verlag.de/bmbf-toaa
●   Website transcript Verlag: www.transcript-verlag.de
●   Open-Access-Plattform des transcript Verlags: www.transcript-open.de

Kontakt
transcript Verlag:
Stefanie Hanneken
eMail: hanneken@transcript-verlag.de


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"Quo vadis Sammelwerk" - Community-Plenum und Werkstatt in einem

13.01.2022, 14 - 17 Uhr

Welche Rolle spielt das Sammelwerk und spielen Sammelwerksbeiträge heute noch in der Wissenschaft? Ist die Abnahme von Beiträgen in Sammelwerken ein kurzfristiger Trend oder eine langfristige Entwicklung?
Und wie steht es um die Aspekte Qualität, Sichtbarkeit und Finanzierung von (Open-Access-)Sammelwerken?

Mit diesen Fragen wollen wir uns beim kommenden ENABLE!-Community-Plenum auseinander setzen und miteinander und vor allem mit den Autor*innen und Herausgebenden von Sammelwerken ins Gespräch kommen. Es werden bestehende, qualitätsvolle Standards sowie innovative Ansätze für neue Formen von Open-Access-Sammelwerken vorgestellt. Und am Ende diskutieren wir mögliche Guidelines für einen Best Practice Sammelband heute.

Programm

  • 14.00 - 14.05 Uhr - Eröffnung und Begrüßung
  • 14.05 - 14.25 Uhr - Communitybericht (Joachim Höper, wbv Media GmbH)
  • 14.25 - 14.55 Uhr - Keynote “Publikation - Zitation - Inflation: Bedeutung von Sammelwerken für die Wissenschaft im Zeitalter von Open Access” (Dr. Dirk Tunger, FZ Jülich)
  • 14.55 - 15.05 Uhr - PAUSE
  • 15.05 - 15.45 Uhr - Best Practice Open-Access-Sammelwerk aktuell
    • "Artistic Research and Literature - Sichtbarkeit und Wirkung eines OA-Sammelbandes auf ein aktuelles Forschungsfeld" (Dr. Henning Siekmann, Brill Verlag)
    • "Dynamisch publizierte Sammelbände auf Wissenschaftsblogs: ein Praxisbeispiel aus der Mediävistik" (Björn Gebert, Universitäts- und Landesbibliothek Münster)
  • 15.45 - 16.25 Uhr - Innovative Ansätze für neue Formen von Sammelwerken
    • "Sammelwerke öffnen: Das Publishing Array “Digital Humanities Research”" (Prof. Dr. Silke Schwandt, Universität Bielefeld)
    • "“Umkämpfte Begriffe der Migration. Ein Inventar” - Die Verknüpfung von Website und Sammelband" (Prof. Dr. Christiane Reinecke, Europa-Universität Flensburg & PD Dr. Isabella Löhr, Centre Marc Bloch Berlin)
  • 16.25 - 16.55 Uhr - Diskussion: Die Übernahme von Knowledge Unlatched (KU) durch Wiley und ihre Auswirkungen auf die ENABLE!-Community
  • 16.55 - 17.00 Uhr - Verabschiedung

 

Die Veranstaltung findet per Zoom statt:

Zoom-Meeting beitreten
https://hcu-hamburg.zoom.us/j/87022927689

Meeting-ID: 870 2292 7689
Kenncode: 449082

 

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Drittes ENABLE!-Werkstattgespräch am 11.11.2021 zu XML-basierten Publikationsworkflows

Im dritten ENABLE!-Werkstatt-Gespräch stellt das BMBF-geförderte Projekt OS-APS Open Source Academic Publishing Suite XML-basierte Workflows zum medienneutralen Publizieren (z.B. Open Access) ohne technische Expertise und kostenintensive XML-Redaktions- und Content-Management-Systeme vor.

OS-APS plant dabei, vorhandene Open Source-Komponenten, wie etwa OJS, OMP und Pandoc, für die Entwicklung dieser XML-basierten Workflows zu nutzen und zu erweitern. Ziel ist es, eine Open-Source-Software zu gestalten, die auch für kleine Einrichtungen / Verlage und Projekte einfach einsetzbar ist und das Open-Access-Publizieren mit eigenem Branding ermöglicht.

Datum: 11.11.2021

Uhrzeit: 16.00 - 17.30 Uhr

Eine Anmeldung für die Werkstatt ist nicht erforderlich. Sie können über folgenden Link teilnehmen:

https://hcu-hamburg.zoom.us/j/87022927689

Meeting-ID: 870 2292 7689
Kenncode: 449082

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Logo des Projekts <intR>² ConsOrtiA

11.10.2021

[Pressemeldung]
„The transition to Open Access of legal literature is in its infancy. Legal studies feature some of the lowest Open Access rates.“ Mit dem Ziel, diesem Befund einer unlängst erschienenen empirisch-vergleichenden Studie sukzessive weiter an Schärfe zu nehmen, organisiert der Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung (FID <intR>²) regelmäßig Finanzierungskonsortien, um Frontlist-Titel renommierter juristischer Fachverlage direkt im Open Access erscheinen zu lassen. Nachdem der Fokus dieser Aktivitäten in den vergangenen beiden Jahren auf dem Feld des IT-Rechts lag, lädt der FID <intR>² nunmehr Bibliotheken aus Deutschland und darüber hinaus ein, sich an einem thematisch offeneren und zudem mehrere Verlage einbeziehenden Konsortium für den Open-Access-Freikauf von Neuerscheinungen zur internationalen und interdisziplinären Rechtsforschung zu beteiligen. In zwei Gebotsrunden für die Erscheinungsjahre 2022 und 2023 wird der FID <intR>² in Zusammenarbeit mit der Staatsbibliothek zu Berlin als Kooperationspartnerin im Kompetenzzentrum für die Lizenzierung elektronischer Ressourcen (KfL), einem DFG-geförderten Kooperationsprojekt, eine Auswahl von jeweils zehn Buchprojekten der Verlage Jan Sramek, Nomos und Brill zur konsortialen Open Access-Transformation vorschlagen und diesen Prozess mit einer Grundfinanzierung von insgesamt 40.000,- Euro unterstützen. Die Vorschläge der gemeinsam freizukaufenden Neuerscheinungen werden vom wissenschaftlichen Beirat des FID <intR>² auf Basis der folgenden formalen Selektionskriterien sowie unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Profile und Literaturversorgungsaufträge der potentiell zu beteiligenden Bibliotheken autorisiert:

  • Neuerscheinungen aus der Frontlist 2022 bzw. 2023 (inklusive von Neuauflagen bereits erschienener Werke)
  • inhaltlicher Bezug zur internationalen bzw. interdisziplinären Rechtsforschung (einschließlich rechtsvergleichender Studien) entlang der vorrangig zu berücksichtigenden Themenschwerpunkte ‚Current Developments in International Law‘, ‚Human Rights and Humanitarian Law‘, ‚Climate Change and Law‘, ‚Transitional Justice‘, ‚International Legal Theory and Philosophy‘, ‚International Courts and Jurisdiction‘, ‚International Arbitration‘ und ‚Legal History of International Law‘,
  • keine Werke aus dem Segment der bibliothekarischen Grundversorgung mit Basisliteratur (Einführungen, Studienbücher, Examinatorien etc.).

Um den Kostenaufwand für die einzelnen Bibliotheken zu begrenzen, werden 40 Beteiligungen als Mindestgröße eines Finanzierungskonsortiums angesetzt. Sollte diese Zahl in der ersten Pledging-Runde nicht zu erreichen sein, werden die infolge des Nichtzustandekommens des geplanten Freikaufverbunds eingesparten Eigenmittel des FID <intR>² zur Erhöhung des Sockelbetrags der zweiten Ausschreibung für das Publikationsjahr 2023 eingesetzt. Da die Open-Access-Transformation des wissenschaftlichen Publikationssystems ein gemeinsames Anliegen der lokalen wie überregionalen Literaturversorgungsinfrastruktur ist, hoffen wir aber auf eine möglichst breite Beteiligung von Anfang an – auch über die juristischen Seminar- und Institutsbibliotheken hinaus. Über die konkreten Rahmenbedingungen dieses Vorhabens wird die Staatsbibliothek zu Berlin als Kooperationspartnerin im Kompetenzzentrum für die Lizenzierung elektronischer Ressourcen informieren und zur Teilnahme einladen.

Angela Holzer

 

 

 

 

  Dr. Angela Holzer
  Referentin Wissenschaftliche Literaturversorgungs-
  und Informationssysteme DFG

 

30.09.2021

Seit wann und warum hat sich die DFG entschieden auch Open Access-Publikationen zu fördern?

Die DFG fördert Open Access seitdem sie die Berliner Erklärung im Jahr 2003 unterzeichnet hat. Und schon vor diesem Zeitpunkt wurden einzelne Projekte zum Aufbau von Open-Access-Zeitschriften gefördert (u.a. des ›Forums Qualitative Sozialforschung‹). 2007 kam – auf Basis eines Positionspapiers – die Förderung von ›Vernetzten Repositorien‹ hinzu, im Jahr 2008 setzte die Einführung des Programms ›Wissenschaftliche Zeitschriften‹ einen weiteren Akzent.

Ab 2010 wurde die Publikation in goldenen Open Access-Zeitschriften über das Programm ›Open Access Publizieren‹ gefördert. Im Rahmen einer Pilotausschreibung zu ›Open-Access-Monographien‹ wurde z.B. Language Science Press gefördert. 2017 entstand die Unterstützung von ›Open-Access-Transformationsverträgen‹ und 2020 schließlich das Programm ›Open-Access-Publikationskosten‹. Das Programm ›Infrastruktur für wissenschaftliches Publizieren‹ wurde ebenfalls 2020 überarbeitet und bietet mit drei Förderschwerpunkten umfassende Unterstützung auch infrastruktureller Art für Open Access.

Das Programm ›Publikationsbeihilfe‹ wurde 2021 neu gefasst und ist nun auch auf die Unterstützung des Open Access ausgerichtet. Die DFG hat somit die Förderung des Open Access immer den aktuellen Bedingungen und Bedarfen angepasst und sieht sie wesentlich als funktional an. Ziel ist, die Wissenschaftskommunikation und den Austausch von Wissen bestmöglich und disziplinspezifisch zu unterstützen.
 

Welche Kriterien liegen der Förderung von Open Access zugrunde und welche Modelle bieten sie an?

Die DFG setzt sich für eine wissenschaftsgeleitete Open Access-Publikationskultur ein und unterstützt verschiedene Modelle, auch nach den Vorlieben der unterschiedlichen Fächer und Disziplinen. Dabei gibt es aktuell sowohl eine Förderung von Zuschüssen für Publikationsgebühren (APC, BPC), als auch eine Förderung im Kontext von Vertragsabschlüssen für Transformationsverträge oder eine Unterstützung von einzelnen Zeitschriften, Publikationsplattformen und anderen Infrastrukturen für Open Access.

Was die DFG nicht unterstützt, ist die Finanzierung von Publikationen in hybriden Zeitschriften, die eine Publikationsgebühr zusätzlich zur Lizenzgebühr verlangen, wenn kein Transformationsvertrag vorliegt.

 

Die DFG warnt Wissenschaftler*innen in Zusammenhang mit Open Access-Publikationen vor sogenannten ›Predatory Journals‹. Was hat es damit auf sich?

Bei ›Predatory Journals‹ handelt es sich um Zeitschriften, die Forschende mit oft aggressiver Werbung und scheinbar professionellem Auftreten zur Veröffentlichung von Beiträgen auffordern. Obwohl die Veröffentlichung gegen Zahlung einer Gebühr erfolgt, organisiert der Verlag keinerlei oder nur völlig unzureichende Maßnahmen der Qualitätssicherung oder täuscht solche Maßnahmen irreführenderweise vor. Oft werben die ›betrügerischen Verlage‹ mit Massen-Mails um Einreichungen. Diese Mails sind häufig personalisiert und beziehen sich dezidiert auf bereits erfolgte Publikationen einer Person, um den Werbeeffekt zu verstärken.

Die Betreiber von Predatory Journals scheinen das gleiche Publikationsgebühren-basierte Geschäftsmodell wie viele OpenAccess-Zeitschriften zu nutzen. Bei einer tatsächlich qualitätsgesicherten Open Access-Zeitschrift erfolgt jedoch zunächst ein Peer-Review-Verfahren – und erst nach der Annahme eines Beitrags wird eine Gebühr fällig. Predatory Journals verlangen die Gebühr meist bereits vorab und bieten nicht die gleichen Dienstleistungen.
 

Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung von Open Access und die damit verbundenen Aufgaben der DFG?

Die Herausforderungen für die Open Access-Transformation und die Entwicklung einer offenen Publikationskultur sind aktuell vielfältig. Das Positionspapier ›Informationsinfrastrukturen für die Wissenschaft‹ beschreibt die Sicht der DFG zur Open Access-Transformation. Die DFG hält die Herstellung einer Kostentransparenz für das Publizieren für sehr zentral, um eine Entwicklung der Preise wie bei den Lizenzgebühren zu vermeiden.

Die Verhandlung von kosteneffizienten und leistungsstarken Transformationsverträgen ist wichtig, so dass eine nachhaltige Beteiligung von deutschen Wissenschaftsorganisationen und Universitäten möglich ist. Es gilt auch, wissenschaftsgeleitete, qualitativ hochwertige Infrastrukturen zu unterstützen, wobei die Förderung da oftmals durch ihre Projektförmigkeit an ihre Grenzen stößt.

Wichtig ist auch, wie sich die Wissenschaftler_innen selbst entscheiden, welche Präferenzen sie entwickeln und was ihnen an den Publikationsorganen, die ihnen zur Verfügung stehen, wichtig ist. Die offene Publikationskultur wird sich aller Voraussicht nach durchsetzen, sie sollte das aber nicht um jeden Preis tun, sondern nach Kriterien, die nachhaltig und wissenschaftsfreundlich sind.
 

Die DFG ist 2020 Mitglied der Enable-Community geworden. Welche Ziele verbinden Sie damit?

Die DFG unterstützt Enable!, weil sie den Austausch zwischen allen Akteuren im Dienste vor allem der geisteswissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Fächer bzw. aller buchpublizierenden Fächer sinnvoll findet. Wir versprechen uns gute, wissenschaftsfreundliche und von den Beteiligten, auch den Bibliotheken und den einzelnen Wissenschaftler_innen akzeptierte Modell- und Pilotentwicklungen und eine gute, auch für den deutschsprachigen wissenschaftlichen Buchmarkt ausgewogene Entwicklung.


Weitere Informationen:

Dr. Angela Holzer
Gruppe Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme
E-Mail: angela.holzer@dfg.de
https://www.dfg.de/